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WNA September 2016

Wirtschaft Neckar-Alb | September 2016 27Titelthema | häufiger wahrgenommen wird. Schai- rer führt durchschnittlich etwa 100 solcher externen Gespräche im Jahr, 2015 waren es bis zu 200 Termine. Bis es passt Die Nachfrage ist besonders in Ni- schenbereichen hoch und dort, wo man Fachkräfte hauptsächlich in den eigenen Reihen heranzieht. Für den Balinger Waagenspezialisten Bizerba zum Beispiel ist die Technikakade- mie ein ganz selbstverständlicher An- sprechpartner. „Wir schätzen die enge Abstimmung“, sagt Aus- und Weiter- bildungsleiterin Julia-Kathrin Voll- mer, „es wird so lange geschaut und gefeilt, bis es unseren Anforderungen genügt“. Zuletzt war das bei der Ins- tallation eines mobilen Elektrolabors in der benachbarten Berufsschule in Balingen der Fall. Der erste, auf Bizer- ba ausgerichtete Lehrgang zur Elektro- fachkraft endete in diesem Frühjahr. Fortsetzung folgt. Dass der Betrieb immer wieder spezifisch in seine Mit- arbeiter investiere, werde allgemein honoriert, meint Voll- mer. „Weiterbildung ist für uns auch ein ganz bewusstes Bindungs- instrument. Und in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu inves- tieren, zahlt sich aus. Anders könnten wir unsere technische Vor- reiterrollenichthalten“. Ein Projekt, das die Schlagkraft der Tech- nikakademie unter- streicht, ist eines der ersten Stunde. Für Paul Horn, den Tübinger Produzenten von Hartmetallwerkzeu- gen, konzipierte man 2013 einen Lehr- gangfüreinberuflichesAnforderungs- profil, das es bis dahin noch gar nicht offiziell gab: Fachkraft für Schneid- werkzeugtechnik. Das Profil durchlief sämtliche Instanzen, einschließlich der IG Metall Frankfurt. Einmalig in Deutschland. „Die normale Berufsaus- bildung Industriemechaniker hat an dieser Stelle einfach nicht ausgereicht“, sagt Patrick Wachendorfer, bei Horn hauptverantwortlich für Umschulung, Aus- und Weiterbildung. Da es im Geschäftsfeld von Horn keine DIN- Norm oder ISO-Normierung gibt, ist man ohnehin auf Eigeninitiative und individuelle Lösungen angewiesen. Der Lehrgang findet dreimal im Jahr statt und läuft jeweils über die IHK- Technikakademie. Bisher haben 173 Personen die Spezialisierung erlernt, die Fluktuation tendiert dabei gegen Null. Eine Handvoll Personen, sagt Wachendorfer, seien mit dieser Fort- bildung zu einem anderen Arbeit- geber gewechselt. Der Kurs hat sich mittlerweile so etabliert, dass er für Paul Horn zum Basisangebot gehört. Das heißt: Jeder muss ihn machen. Für neue Mitarbeiter ist die Schulung ein Crashkurs, der die Eingliederung in die Arbeitsprozesse ungemein verbessert. Pflicht und Kür Die Aufgabengebiete und Tätigkeiten än- dern sich heute ra- send schnell. Weiter- bildung ist in dieser Hinsicht weiterhin der Schlüssel. Des- halb ist die Fortbil- dungskultur bei Paul Horn sehr hoch: Die Meisterkurse ausge- klammert, sind bis zu 40 Seminarblöcke im Jahr üblich. Läuft man da auf Dauer nicht sogar Gefahr, dass Weiterbildung zum Selbstzweck wird? Nein, meint Wachendorfer, denn der rote Faden muss immer be- legt werden und nachvollziehbar sein. „Klar, das muss man sich leisten kön- nen. Nicht nur finanziell: Weiterbil- dung heißt im Zweifel auch Ausfall- zeit. Das will koordiniert werden. Aber ohne Weiterbildung wären wir sicher nicht da, wo wir sind“. Patrick Wachendorfer, Paul Horn, Tübingen Fotos: PR

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