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WNA September 2016

Wirtschaft Neckar-Alb | September 2016 23Titelthema | Als er die Mittlere Reife in der Ta- sche hatte, hatte er auch vom Ler- nen genug. „Nie wieder Schule“, sagte sich Sebastian Pollak und meinte es ernst. Der heute 27-jährige Metzinger ent- schied sich für eine Lehre als Indus- triemechaniker und kam 2006 beim Automobilzulieferer Elring-Klinger unter. Drehen, Fräsen, der Umgang mit pneumatischer Hydraulik und CAD-Programmen war zunächst sei- ne Welt, Instandhaltung und später das Gummibespritzen von Metalltei- len. Dass er viel mehr konnte, erfuhr er erst, als er mit einer Sonderaufgabe betraut wurde. Pollak sollte die Leis- tung einer Spritzgussanlage von 500 Exemplaren pro Schicht auf über 1.000 tunen. Nach sechs Monaten und einer Legion von Überstunden hatte er die Anlage soweit, dass sie 1.300 Stück bei deutlich geringerem Ausschuss pro- duzierte. Sein Vorgesetzter riet ihm daraufhin dringend, sich bei der IHK „Nie wieder Schule.“ Sebastian Pollak, Industrie- techniker und Technischer Betriebswirt mit IHK-Abschluss vom Industriemechaniker zum Indus- trietechniker weiterzubilden. Was folgte, war das Gegenteil von „nie wieder Schule“. Zweieinhalb Jahre be- suchte Pollak die IHK-Akademie im- mer freitags und samstags. Am Ende hatte er 960 Stunden die Schulbank gedrückt, rein theoretischen Unter- richt genossen, mehrere Prüfungen abgelegt, und dafür 7.000 Euro aus eigener Tasche bezahlt. Es hat sich gelohnt, sagt er heute, weil er viel mehr über wirtschaftliche und natur- wissenschaftliche Zusammenhänge weiß sowie obendrein über eine Elek- trofachausbildung und vertiefte CAD- Kenntnisse verfügt. Reifer und analytischer Die sehr theoretische Weiterbildung hat ihm nicht nur eine neue Einstel- lung zum Lernen verschafft. „Ich bin ein anderer Mensch geworden“, sagt er über sich selbst: „reifer und analy- tischer“. Selbstredend eröffneten sich rasch neue berufliche Perspektiven. Seit 2013 fertigt Pollak bei Daimler Neungang-Automatikgetriebe und liebäugelt schon mit einer möglichen Karriere als Betriebsingenieur. Damit das Ziel kein frommer Wunsch bleibt, hat er auf den Techniker inzwischen den „Technischen Betriebswirt“ drauf- gesetzt und sich diesen Spaß 4.000 Euro kosten lassen.

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