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WNA September 2016

www.wirtschaft-neckar-alb.de 18 | Im Gespräch WNA: Was will die Ministerin Hoff- meister-Kraut? Welche Agenda ver- folgen Sie? Hoffmeister-Kraut: Ein Schwerpunkt wird auf der Digitalisierung liegen. Wir werden in den kommenden Jah- ren in Richtung Wirtschaft und Arbeit 4.0 unterwegs sein. Entwicklungen, die in der Industrie zum Teil schon ange- kommen sind. Wir müssen aber auch andere Branchen, den Handel und das Handwerk an diese Themen heranfüh- ren. Das ist eine große Aufgabe für die Landesregierung. Gerade die kleinen und mittleren Unternehmen wollen wir dabei z.B. im Bereich des Techno- logietransfers unterstützen. Deshalb werden wir in den nächsten Wochen auch einen Technologiebeauftragten berufen, der uns bei dieser komplexen Schnittstellen-Aufgabe unterstützt. WNA: Welche Rolle spielt hierbei der Fachkräftemangel? Hoffmeister-Kraut: Fachkräftesiche- rung ist das zweite große Thema, dem ich mich widmen werde. Wir wollen die duale Ausbildung wieder stärker ins Bewusstsein rücken und aufwer- ten. In den letzten Jahren hatten wir eine gewisse Tendenz zur Akademi- sierung. Natürlich brauchen wir auch Akademiker, aber wir brauchen eben- so Fachkräfte, die aus der dualen Aus- bildung heraus kommen. In Abstim- mung mit dem Kultusministerium wollen wir vermehrt an Realschulen und Gymnasien für eine Ausbildung werben. Gemeinsam mit dem Wissen- schaftsministerium wollen wir außer- dem Studienabbrecher vermehrt für eine Ausbildung gewinnen. Dazu ha- ben wir derzeit eine Studie laufen. WNA: Welche Rolle werden aus Ihrer Sicht Flüchtlinge spielen? Hoffmeister-Kraut: Die Integration von Geflüchteten wird nur gelingen, wenn auch ihre Eingliederung in die Wirtschaft gelingt. Deshalb sollte es von Anfang an nicht nur um Fragen der Grundbedürfnisse gehen, son- dern auch um die kulturelle Heran- führung an unsere Wirtschaft. Politik und Wirtschaft unternehmen bereits enorme Anstrengungen, die wir aber sicherlich noch intensivieren müssen. Flüchtlinge zum Beispiel in eine du- ale Ausbildung zu bringen, braucht einen gewissen Vorlauf. Das funkti- oniert nur, wenn sie die Sprache be- herrschen. Daher liegt unser Fokus auf dem Spracherwerb. Wir haben auch bereits verschie- dene Programme angeschoben, mit denen wir Flücht- linge und Betriebe zusammenbringen. Das Kümmerer- Programm gehört mit dazu. Da gibt es ja auch in der IHK Reutlingen eine Beraterin, die sich um junge Flüchtlin- ge kümmert. Dieses Jahr werden etwa 800 Flüchtlinge ausbildungsreif sein. Ich glaube, das Potenzial ist groß, aber es wird keine einfache Aufgabe. WNA: Haben sie eine Vision für die Wirtschaftspolitik? Hoffmeister-Kraut: Mir schwebt ein einheitliches Konzept für die Wirt- schaftspolitik des Landes vor, das alle Bereiche umfasst: Wirtschaft 4.0, Fachkräfte, Gründung und Innovati- on. Natürlich müssen wir da auch ein Augenmerk legen auf den Infrastruk- turbereich, unter anderem Breitband, Verkehr und Energie. Die Kommuni- kation zwischen den Ressorts funktio- niert – auf Arbeits- und auf politischer Ebene. Nehmen Sie das Internet der Dinge oder Big Data. Es funktioniert nicht, wenn die Infrastruktur dafür nicht vorhanden ist. WNA: Sie gehören zu den Youngstern auf der Ministerbank. Auf wen schau- en Sie in der Minister-Riege? Gibt es Vorbilder? Hoffmeister-Kraut: Ich schätze alle Kollegen sehr und fühle mich in der Ministerriege gut aufgenommen. In- sofern möchte ich hier niemanden he- rausgreifen. Mir geht es darum, mein eigenes Profil zu entwickeln, anstatt jemanden zu kopieren. WNA: Was soll in fünf Jahren in der Zeitung stehen, wenn Sie am Ende der ersten Wahlperiode stehen? Hoffmeister-Kraut: Ich würde mir wünschen, dass man mir bescheinigt, meine Arbeit gut gemacht zu haben. Mir kommt es nicht darauf an, Schlagzeilen zu generieren. Wich- tiger ist es mir, eine gute und nachhaltige Wirtschaftspoli- tik machen, die die großen Zukunfts- herausforderungen gemeinsam mit den Unternehmern und Arbeitneh- mern angeht. WNA: Es könnte aber auch stehen: „Hoffmeister-Kraut auf dem Weg nach Berlin“? Hoffmeister-Kraut: Ich konzentrie- re mich jetzt voll und ganz auf meine Aufgabe hier im Land. „Ich möchte mein eigenes Profil entwickeln, anstatt jemanden zu kopieren.“ Digitalisierung und Fachkräftemnagel. Bei diesen Themen will Nicole Hoffmeister- Kraut als neue Ministerin Akzente setzen. Foto: Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau.

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