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WNA September 2016

17Im Gespräch | Wirtschaft Neckar-Alb | September 2016 WNA: Wie fühlt es sich an, plötzlich Ministerin zu sein? Hoffmeister-Kraut: Es ist ein tol- les Gefühl und auch eine große Ehre für mich, in einem Land wie Baden- Württemberg Wirtschaftsministerin zu sein. Die Wirtschaft ist hier das entscheidende Rückgrat und die Ar- beitgeber und Arbeitnehmer sind die Garanten für den Wohlstand in unse- rem Land. Das macht mich sehr stolz. Deshalb war auch unsere Entschei- dung richtig, das Wirtschaftsministe- rium wieder eigenständig zu machen und Wirtschaftspolitik nicht länger als Anhängsel der Finanzpolitik zu betrachten, wie das bei der Vorgänger- regierung der Fall war. WNA: Wie ist das Leben jetzt mit ei- nem Stab – mit Büroleiterin, Presse- sprecherin, Fahrer? Hoffmeister-Kraut: Klar, die Dinge haben sich verändert. Ich habe jetzt eine völlig neue Aufgabe, wachse da aber mit jedem Tag mehr hinein – auch dank meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mir ist die enge Zu- sammenarbeit mit meinem Haus sehr wichtig. Deshalb habe ich mich gleich zu Beginn meiner Amtszeit allen Mit- arbeiterinnen und Mitarbeitern per- sönlich vorgestellt und mit allen Refe- ratsleitern gesprochen, um aus erster Hand zu hören, was ansteht. WNA: Jetzt werden Sie sicher oft mit „Frau Ministerin“ angesprochen. Ist das komisch? Hoffmeister-Kraut: Es ist der Tat so eine Tradition, dass man in einem sol- chen Amt seinen eigenen Namen ver- liert und nur mit Frau Ministerin be- grüßt wird. Aber ich gehe immer auf die Menschen zu und sage „Hoffmeis- ter-Kraut, guten Tag!“ und werde dann auch so angesprochen. Das freut mich! WNA: Was mussten sie lernen? Hoffmeister-Kraut: Ich habe mich Vita Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut ist seit dem 12. Mai 2016 Landesminis- terin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau. Zuvor war sie erstmals als Abgeordnete in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt wor- den. Hoffmeister-Kraut wurde 1972 in Balingen geboren. Sie studier- te BWL an der Universität Tübingen, promovierte 2001 an der Univer- sität Würzburg und arbeitete danach bei der Investmentbank Morgan Stanley sowie bei Ernst & Young. Sie ist seit 1998 Gesellschafterin der Bizerba GmbH & Co. KG in Balingen. Dort war sie von 2014 bis zu ihrem Amtsantritt als Ministerin Mitglied des Aufsichtsrats. Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut ist verheiratet und hat drei Töchter. jetzt in kurzer Zeit in zahlreiche neue Themen eingearbeitet. Aber ich bin natürlich immer noch Lernende mit Blick auf die vielfältigen Aufgaben, für die ich im Wirtschaftsministerium Verantwortung trage. Das politische Geschäft kenne ich ja schon ein Stück weit aufgrund mei- ner kommunalpoli- tischen Erfahrung, wenngleich ich natürlich auf Lan- desebene jetzt ganz anders gefordert bin. Eine neue Erfahrung war für mich auch, jetzt eine öffentliche Person zu sein. Was ich sage und was ich tue wird ganz anders wahrgenommen. WNA: Sie galten im neuen Kabinett als Überraschungscoup. Fühlen Sie sich besonders unter Beobachtung? Hoffmeister-Kraut: Ich denke, jede und jeder steht unter Beobachtung, der Regierungsverantwortung hat und ein Ministerium leitet. Man ist ja auch verantwortlich für das, was passiert. Ich bin sehr sachorientiert und möch- te eine gute Arbeit machen und was voranbringen. Das ist es ja auch, was die Menschen von mir erwarten. WNA: Frauen müssen sich in der Politik immer fragen lassen, wie sie Familie und Politik unter einen Hut bringen. Ärgert Sie das? Hoffmeister-Kraut: Das ist in der Tat im Denken Vieler verhaftet. Als Mut- ter von drei Kindern ist das für mich Tag für Tag auch eine neue Herausfor- derung, beidem gerecht zu werden. Ich finde es aber wichtig und schön, wenn man mit diesem Hintergrund Politik machen kann und ich bin überzeugt, dass ich diese Erfah- rung auch wertvoll in das Amt einbrin- gen kann. Ich plädie- re für Verständnis, dass auch Familie Raum braucht, weil man eben nicht sieben Tage die Woche rund um die Uhr im Einsatz sein kann. Meine Familie ist für mich ein großer Rückhalt. Sie steht an erster Stelle und das wird auch so blieben. WNA: Haben Sie Angst vor einem Leben auf der Überholspur? Politik fordert vor allem Zeit, Einsatz und Dauerbereitschaft. Hoffmeister-Kraut: Davor muss man sich bewahren. Ich bin gerne Ministe- rin, arbeite mit Elan und Herzblut und bin viel im Einsatz. Aber man darf sei- ne Identität nicht verlieren. Dazu zählt für mich auch, in einem Umfeld Zeit zu verbringen, das nicht nur politisch geprägt ist. Mit Familie und Freunden zusammen zu sein, sich auszutauschen und mitzubekommen, was im ‚echten‘ Leben passiert. Das ist mir wichtig, auch weil man im politischen Umfeld vieles doch nur gefiltert mitbekommt. „Jede und jeder steht unter Beobachtung, der ein Ministerium leitet.“

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