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WNA Juni 2016

7 Aktuelles | Wirtschaft Neckar-Alb | Juni 2016 Dieser Weg – unser Korso „Ich möchte leben wie Franzosen Auto fahren“, sang mal jemand, „eine Delle macht nichts aus und wenn die Kreuzung voll ist, fährt man trotzdem drauf.“ Kurz nach dem Sommermär- chen 2006 war das. Als die Deutschen lernten, wie man Fahnen schwenkt und grölt und Autokorso fährt. Längst kann man auch hierzulande Laisser-faire am Lenkrad. Wenn auch nur alle zwei Jah- re, bei Fußballturnieren. Und nach der Straßenverkehrsordnung, StVO. Ein bisschen auf dicke Hose machen und sich selbst feiern: mit halbem Körper aus dem fahrenden Auto hängen, mit den meisten Mädchen, mit der größten Fahne, der lautesten Musik, dem längs- ten Hupkonzert. Wir sind das Volk. Wir sind der 12. Mann. Ein Hoch auf uns. Aber erlaubt ist, was recht ist. Also das beispielsweise nicht: nicht ange- schnallt sein, im Auto stehen, rote Am- peln ignorieren, allzu üppige Fan-Deko in und am Wagen, große Fahnen an ei- ner Stange durchs Fenster schwenken. „Wir lassen auch, wenn nötig, vor Ort ins Röhrchen blasen. Der Verdächtigte kann ja nicht weg und das Kennzeichen haben wir auch“, erklärt ein Polizeibe- amter auf die Frage, ob man das auch überprüfe. Eigentlich haben Deutsche also ihren ganz eigenen Weg mit Auto- korso. Ob der auch gut ist? Spätestens, wenn man unfreiwillig im Autokorso der anderen steckt, weiß man es wohl. Aussagen keine guten Erfahrungen gemacht. Tatsächlich gehören zum Pu- blic Viewing einige Fixkosten: für die Großbildleinwand, Lizenzgebühren für die Gema, Beschallung, Gerüste, Toiletten, Rotes Kreuz, Security. Zwar verdienen die Gastronomen auch mit Eintritt und Ausschank, aber selbst wenn nur halb so viel Leute kommen, berechnet die Gema Kosten für die ge- samte Fläche. Deshalb steht und fällt das Ganze mit dem Wetter und der Leistung der deutschen Mannschaft. Erhöhte Sicherheitsauflagen spielen heuer jedenfalls keine Rolle. Ohnehin sehen die Ordnungs- und Hilfskräfte dem Fußballturnier und Drumherum diesbezüglich sehr ge- lassen entgegen. Was den Rettungs- dienst betrifft, sind keine besonderen Vorbereitungen auf Public-Viewing- Veranstaltungen vorgesehen. „Der Rettungsdienst be- findet sich generell rund um die Uhr in Einsatzbereit- schaft und verfügt auch über die nö- tigen Nachrück- Kapazitäten, falls ein entsprechender Bedarf entstehen sollte“, sagt die DRK- Präsidentin und Leitende Notärztin Dr. Lisa Federle. Bisher waren auf den Veranstaltungen jeweils zwei Perso- nen vor Ort, lebensgefährdende Zwi- schenfälle gab es keine. Laut Rainer Kaltenmark, Leiter des Ordnungsam- tes, sind in der Regel jeweils ein halbes Dutzend Beamte im Einsatz. Außer den immer wieder ärgerlichen Benga- los und Feuerwerkskörpern seien die Events stets friedlich geblieben, „Da geht es an normalen Wochenenden härter zur Sache.“ Kein Konfliktpo- tenzial sieht man deshalb auch darin, dass auf dem Gelände des Schlacht- hofs derzeit Flüchtlinge untergebracht sind. Auch Veranstalter Netahun Des- ta nicht: „Man kennt sich mittlerwei- le. Und auch die Flüchtlinge werden sich bestimmt begeistert die Spiele anschauen.“ Zeigen wird er allerdings nur die Spiele der deutschen Elf – mehr möchte man den Anwohnern nicht zumuten. Um schwarze Zahlen zu schreiben, meint Desta, seien also viele Spiele nötig. Dass ihm nun der größte Übertragungsort zufällt, findet er indes nur bedingt gut. „Mir wäre es lieber wenn es weitere Anbieter geben würde, denn es werden sehr viele Leu- te Public Viewing schauen wollen und die zwei Veranstaltungen, Schlachthof und Sudhaus-Biergarten, sind eigent- lich zu wenig.“ Kein großes Ding Das stimmt freilich nur für die Groß- Events. Fast jedes Lokal darf und wird die Spiele übertragen, wenn auch nur in der Gaststätte. Wohl dem also, der einen Biergarten hat. Wie das Saints & Scholars, direkt auf dem Campus. Oder die Gasthausbrau- erei Neckarmüller am Neckarufer. „Wir wollen mit- mischen, aber kein großes Ding daraus machen“, meint Geschäftsführerin Petra Ott-Fischer. Das heißt: freier Eintritt, aber keine Großbildleinwand. Man räumt der Übertragung zwar Priorität ein, es werden alle Spiele gezeigt, sieht da- rin aber eher ein Mitnahmegeschäft. „Wir haben zwar auch Auflagen wie Security, Gema und GEZ, aber sonst ist das Ganze mit wenig Risiko für uns verbunden. Ein lukrativer Umsatz ist trotzdem nicht drin, weil der Normal- betrieb gleichzeitig zurückgefahren wird.“ Den Fußball-Fans dürfte das jedoch egal sein. Schließlich ist man vom Neckarmüller aus am schnellsten auf der Eberhardsbrücke. Und die wird vom Ordnungsamt nach wichtigen Spielen für den Autoverkehr gesperrt. In diesem Sinne. Jetzt geht’s los. „Wir brauchen viele Spiele, um schwarze Zahlen zu schreiben.“ Netahun Desta, Veranstalter und Gastronom

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