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WNA Juni 2016

23 Titelthema | Wirtschaft Neckar-Alb | Juni 2016 Leben so braucht. Und die Metzgerei von Helmut Heinrich. Gemeinsam mit seinem Bruder übernahm er das Fach- geschäft von seinen Eltern, bald kann 50-jährige Bestehen gefeiert werden. Das Wochenende steht vor der Tür, die Metzgerei ist voll. Maultaschen sind im Angebot, 100 Gramm für 85 Cent. „Das Geschäft läuft gut“, bestätigt Hel- mut Heinrich. Auf vielfaches Nach- fragen der Kunden hat die Metzgerei vier weitere Filialen eröffnet. „Wir profitieren vom Durchgangsverkehr in Melchingen“, meint Heinrich, „es gibt nicht mehr viele Dörfer auf der Alb, die wie wir am Ort noch alles haben. Schade ist, dass die Bevölkerung trotz- dem nicht wächst.“ Seit zwanzig Jahren ist Waltraud Barth-Lafargue Ortsvorsteherin in Melchingen, sie kennt den Ort genau. Die Probleme und Stärken ähneln de- ner anderer Dörfer. „Natürlich macht uns der demografische Wandel zu schaffen“, so die Dorfchefin, „wer den Ort für das Studi- um verlässt, kommt nicht wieder.“ Für junge Familien wird derzeit ein neues Baugebiet erschlos- sen, selbstverständ- lich winken Anreize beim Grundstückskauf für Familien mit Kindern. Selbst der Kindergarten am Ort ist für einen Ganztagesbetrieb gewappnet – allein der Bedarf ist noch nicht da. Trotzdem wird besonders auf dem Land die Bevölkerung immer älter. Als Chance für den Ort sieht Barth-Lafargue ein Mehrgeneratio- nenquartier, das nach dem Willen der Bewohner im Ortskern entstehen soll, anstelle von leer stehenden Häusern. „Das ist mein Wunsch für Melchin- gen“, so Barth-Lafargue. Zuerst steht aber die Neugestaltung des Platzes rund um das Rathaus an. Eine Dorfmitte soll entstehen, der An- trag auf Zuschüsse vom Entwicklungs- programm für den ländlichen Raum wurde angenommen. Ansonsten füh- le man sich ein wenig abgehängt, so Waltraud Barth-Lafargue. Weder für das Leader-Programm für Regional- entwicklung noch in das Melap-Pro- grammm für die Sanierung von Orts- kernen sei Melchingen berücksichtigt worden. Auf der Alb ist man doch ein wenig ab vom Schuss. Dauerbrenner Nahverkehr Immer wieder Thema auf dem fla- chen Land: Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Seit diesem Jahr können Fahrgäste eine Buslinie nach Mössingen mit Zuganschluss nach Tübingen nut- zen. „Dafür haben wir lange gekämpft, besonders für Be- rufsschüler ist diese Linie wichtig“, so Barth-Lafargue; „die Leute wollen von A nach B kommen und es interessiert sie nicht, ob dazwischen Landkreis- grenzen liegen.“ Um das Landleben attraktiver zu machen, muss über die Landkreisgrenzen hinweg zusammen- gearbeitet werden und müssen Allian- zen geschmiedet werden. „Ein Mehrgenerationen- quartier: Das ist mein Wunsch für Melchingen.“ Waltraud Barth-Lafargue, Ortsvorsteherin Sie weiß, wo den Melchingern der Schuh drückt: Waltraud Barth-Lafargue ist seit 20 Jahren Ortsvorsteherin. Hier ist sie im Melchinger Rathaus zu sehen. Großer Zusammenhalt Trotz Landflucht haben die Melchin- ger eine aktive Bürgerschaft. Ein reges Vereinsleben und Arbeitsgruppen, die immer wieder frische Impulse und Ideen liefern, machen das Dorf le- bendig. Mit wenig Geld und viel Mo- tivation und Eigenleistung haben sie einiges zuwege gebracht. Den Bau ei- ner neuen Festhalle, die Sanierung des Feuerwehrhauses, die Restauration der Marienkapelle. Nicht umsonst ge- wann Melchingen die Silbermedaille beim Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. „Das ist bei uns selbst- verständlich und normal“, so die Orts- vorsteherin, „Wir haben einen großen Zusammenhalt.“ Das findet sich in der großen Stadt nicht so schnell.

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