Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

WNA Juni 2016

www.wirtschaft-neckar-alb.de Mythos Dorfwirtschaft Bestbürgerlich Das Dorfgasthaus als sozialer Mittelpunkt und Identitätsraum für Einheimische hat nahezu ausgedient. Wie man unter diesen Bedingungen nicht nur überlebt, sondern wächst und dabei traditionell und authentisch bleibt, zeigen zwei Geschichten. Das gastronomische Biotop Dorf- gasthaus ist, in seiner klassischen Form, eine vom Aussterben bedroh- te Einrichtung. Viele Dörfer auf der Alb und ihrem näheren Umfeld ha- ben praktisch keines mehr. Und von den bestehenden Dorfgasthäusern definieren sich inzwischen nicht mehr alle ausschließlich als solches. WNA hat nach den Gründen gesucht – und relativ gute gefunden. Hechingen-Stein, unweit der B27 und der Burg Hohenzollern. Gleich am Ortseingang befindet sich das Hotel-Restaurant Lamm, geführt von Stefan und Kerstin Albus. Ab- gesehen vom Kiosk des römischen Freilichtmuseums die einzige Gas- tronomie im Ort. Stefan Albus und seine Frau haben beide in Sternegas- tronomiebetrieben in München, Bai- ersbronn, St. Moritz und Heidelberg gelernt, 2007 stieg er in den elterli- chen Betrieb ein und übernahm die- sen drei Jahre später. „Für mich war das langfristig immer klar. Und nach fünfzehn Jahren will man irgend- wann auch ankommen.“ Auch wenn der Standort sicherlich kein Vorteil sei. Und die Zeiten sich auch hier geändert haben: Für Beerdigungen oder kleinere Familienfeiern ist man nach wie vor erster Ansprechpart- ner. Ansonsten treffen und feiern die Einheimischen, wenn ihr sons- tiges Freizeitverhalten es erlaubt, lieber in selbst bewirtschafteten Feu- erwehrstuben, Vereinsheimen oder Gemeindehäusern. „Wir freuen uns, wenn sich ein Jahrgang Gesangsver- ein oder Stammtisch hier trifft, aber mit den Jahren hat sich das eben wegentwickelt“, sagt der gelernte Koch. Heile Welt für sich Was man für die Betriebsgröße – 35 Mitarbeiter, 50 Betten – und Aus- richtung – gehoben bürgerlich – benötigt, ist über das Dorf längst nicht zu erwirtschaften. Dabei hat Albus den Charakter des über 200 Jahre alten Betriebs keinesfalls um- gekrempelt, sondern angepasst. Am Wochenende ist man das klassische Gasthaus, in dem runde Geburtstage gefeiert werden, die Oma die Ver- wandtschaft einlädt und die Klein- familie zum Abendessen kommt. Unter der Woche lebt man haupt- sächlich von Geschäftsreisenden aus der Industrie, vom kleinen Maschi- nenbauer bis zum Großkonzern. Ein Spagat zwischen Zwiebelrostbraten und Vier-Gänge-Menü. Die Zimmer liegen bei 75 bis 130 Euro, saisonale Spezialrabatte gibt es keine. Damit fährt man bislang gut. Seitdem Albus das Hotel-Restaurant führt, ist ein jährliches Wachstum zu verzeich- nen. „Seit 2007 haben wir den Um- satz fast verdoppelt.“ Den größten Teil, 70 Prozent, erwirtschaftet man mit dem Restaurant, aber das Ho- tel ist für den Gesamtumsatz nicht wegzudenken. Vom Tourismus rund um die Burg Hohenzollern (etwa

Übersicht