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WNA Juni 2016

www.wirtschaft-neckar-alb.de 12 | Aktuelles KULTUR-STENO +++ Schauspiel: „Edward II.“ – ab 2. Juni – Zimmertheater Tübingen +++ Talk: Richard David Precht – 3. Juni – Sparkassen Carré Tübingen +++ Freiluft: „Ract-Festival“ – 3. und 4. Juni – Anlagenpark Tübingen +++ Musik: Zy- deco Annie & Swamp Cats – 4. Juni – Wimsener Kulturmühle +++ Lesebühne: „Fußball, Jazz, Beziehungsstress“ – 6. Juni – Vorstadtheater Tübingen +++ Lesebühne: Juli Zeh „Unterleuten“ – 6. Juni – Sparkassen Carré Tübingen +++ Lesebühne: Matthias Weik & Marc Friedrich „Kapitalfehler“ – 8. Juni – Osiander Reutlingen +++ Musik: Carrousel (CH) – 9. Juni – franz.K Reutlingen +++ Freiluft: Holi Gaudy Festival – 11. Juni – Festplatz Tübingen +++ Schnittige Filme Flotte Lotte Die Pionierin des Trickfilms und Vorläuferin von Musikvideos starb vor genau 35 Jahren in Dettenhau- sen: Lotte Reiniger. Ihr kompletter Nachlass ist im Stadtmuseum Tü- bingen zu sehen. Ein kunstpralles und bis heute unglaublich faszi- nierendes Lebenswerk. Disney, Pixar, Musikclips: Mit Lotte Reiniger beginnt der ganze Zauber der animierten Streifen. In den 20ern veröffentlichte sie nach drei- jähriger Arbeit den ersten abend- füllenden Trickfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“. Ohne deut- schen Verleih und dennoch mit weltweitem Erfolg. Die Frau und ihre Kunst sind eine kleine, gro- ße Sensation. Seit sie zwölf ist, schneidet sie alles Gesehene in Sil- houetten, karikiert und beschreibt so ihr direktes Umfeld. Dazu zäh- len auch Brecht, Hindemith, Fritz Lang oder Jean Renoir. Um einen Film zu produzieren, schneidet sie Silhouetten und fotografiert sie ab. Ein Bild pro Bewegung. Bei den Opernverfilmungen stimmt sie je- des Foto auf die Tonlänge ab, auf die Vierundvierzigstelsekunde. Es sind kleinteilige, archaische Schat- tenwelten. Bewusst reduziert auf Umriss und Fläche. Die große Kunst liegt darin, dass Reiniger aus die- ser Abstraktion immer die Essenz eines Gefühls extrahiert. Mit Sche- re und Kamera. Und buchstäblicher Liebe zum Detail. Es schillert und zwinkert. Ganz unprätentiös lyrisch bis garstig frivol. Ihren Stoff bezog sie nur aus Märchen und Opern. Ein Fluch und Segen: Denn diese Mixtur wurde zeitweise als nied- lich und verharmlosend missver- standen. Reinigers Leistung geriet zu Unrecht in Vergessenheit. Erst Ende der 80er entdeckte eine neue Generation von Animationsfilmern sie wieder. Da war Reiniger be- reits gestorben. In Dettenhausen, beim befreundeten Pfarrerehepaar Happ, die sie in ihrem letzten Le- bensjahr beherbergten. Den Nach- lass Reinigers übergaben diese vor fünfzehn Jahren dem Tübinger Stadtmuseum. Eine ganze Etage widmet sich dem Lebenswerk in al- len Facetten. Jedes zweite Jahr soll eine Sonderausstellung kuratiert werden, die deutschlandweit ge- zeigt wird. „Wir stehen am Anfang der Aufarbeitung ihres Werkes und Wirkens“, meint Museumsleiterin Wiebke Ratzeburg. Der Zauber geht in die nächste Runde.

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