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WNA Mai 2016

ausgedünnten Reisebusmarkt, beim Fernbus-Trend mischt man aller- dings nicht mit. „Wir haben uns den Markt angeschaut, um keinen Trend zu verschlafen, haben aber durch- gerechnet, dass es sich nicht lohnt, wenn man auf gute Löhne, gute Fah- rer und gute Fahrzeuge Wert legt“. Was gesetzliche Auflagen betrifft, geht Ines Hahn auch den weiten Weg bis Brüssel. Die Regelungen für Lenk- und Ruhezeiten seien ein uneinheitlicher Einheitsbrei. Zudem würden die Kontrollen von den Län- dern, aber auch von der Polizei und dem Bundesamt für Güterverkehr unterschiedlich ausgelegt. „Als Fah- rer verliert man langsam die Lust am Beruf, weil die Verunsicherung, ständig mitfährt“. Zumal die Bran- che unter fehlen- dem Nachwuchs leidet. Auch Ulrike Schmid und ihre Tochter Miriam bestätigen das: „Wir müssten gera- de eigentlich fünf neue Fahrer ein- stellen, um der Auftragslage gerecht zu werden. Aber es ist sehr schwer“, sagt Miriam Schmid. Mit Jammern auf hohem Niveau hat das wenig zu tun. Der Transport von Menschen und Gütern boomt, aber der Fahrer- Beruf ist grundsätzlich unbeliebt. Eine Situation, die Miriam Schmid dennoch nicht abgeschreckt hat, vor fünf Jahren als Logistik-Managerin in den Betrieb ihrer Mutter Ulrike, der Volk GmbH & Co. KG, einzustei- gen. „So ein Unternehmen zu führen ist schon toll, auch wenn man enorm viel Energie reinstecken muss.“ Das Image stimmt jedenfalls: Volk ist langjähriger Spezialist im Transport von schweren Industriemaschinen. Weltweit liefert man Neumaschinen direkt von Maschinenherstellern für die Auto-, Werkzeug- und Textilbran- che aus. Findiges Unternehmertum ist sozusagen die DNA des Betriebs: Schon Gründer Frieder Volk entwi- ckelte ein eigenes Beladesystem und baute sich den pas- senden Transporter selbst zusammen. Bis heute hält man an dieser Tradition fest: Etwa siebzehn LKWs im Fuhr- park sind selbst aufgebaut und den jeweiligen Lieferanforderungen ange- passt. „Da fährt schon mal eine halbe Million Euro in der Gegend herum“, sagt Ulrike Schmid. Als Spediteur ist man dafür sehr flexibel und ziemlich unabhängig. Ulrike Schmid ist die erste Frau mit Prokura in der über 50-jährigen Fir- mengeschichte und Chefin an allen Fronten. Während Tochter Miriam den Einkauf für die Werkstatt, Lager- haltung und Personal verantwortet, steht Nichte Katharina Volk sogar schon perspektivisch in den Startlö- chern: sie macht gerade ihre Ausbil- dung zur Logistik-Managerin und soll später auch in die Geschäftsleitung einsteigen. „Frauen am Steuer: Das läuft hier super“, lacht Ulrike Schmid. Am tatsächlichen Lenkrad setzen die Chefinnen allerdings klar auf Männer. Die könnten mit klaren Ansagen um- gehen, auch wenn diese von einer Frau kämen. „Meine Entscheidungen wer- den voll akzeptiert.“ Dass dem nicht immer so war, kann man zwischen den Zeilen lesen. Mit 20 Jahren kommt sie in den Betrieb, disponiert den Fuhr- park, kämpft sich durch, sammelt viel Erfahrung. „Es gab nur den Betrieb und die drei Kinder großziehen. Aber in der Familie haben alle Generati- onen immer geackert, da kann man kein Püppchen sein und Ansprüche stellen.“ Die Ansprüche der Firma dagegen sind bis heute stetig gewach- sen. 2008 kaufte Volk das Gebäude des Bodenbelagsgroßhändlers Klemm auf, um den Fuhrpark zu vergrößern und Maschinen einzulagern. Mittlerweile hat man die ehemalige Klemm-Halle an einen Kunden vermietet und dafür einen LKW-Parkplatz auf der dort an- grenzenden Wiese errichtet sowie den Bau einer neue Halle auf dem eigenen Areal abgeschlossen. „Ich kenn mich jetzt auch gut im Bauwesen aus“, sagt Ulrike Schmid. Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln. „Frauen am Steuer: Das läuft hier super.“ Ulrike Schmid Doppelte Doppelspitze: Katja und Ines Hahn (ganz links) sowie Ulrike und Miriam Schmid (rechts) lenken jeweils die Geschi- cke von Transportunternehmen. Fotos: PR 25 Titelthema | Wirtschaft Neckar-Alb | Mai 2016

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