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WNA Juni 2015 - Letzte Seite

Wirtschaft Neckar-Alb | März 2012 1Aktuelles | „Der weiße Hai“ Steven Spielberg geht bis heute nicht ins Meer. Er wird seine Gründe haben. Mit seinem zweiten Kinofilm „Jaws“ (deutsch:„DerweißeHai“)gaberjeden- falls Millionen Menschen einen Grund, es ihm gleichzutun oder mit mulmigen Gefühlen zu plantschen. Seit seiner Leinwandpremiere am 20. Juni 1975 hat sich der mordshungrige Raubfisch regelrecht ins kollektive Gedächtnis ge- schwommen. Sicher, technisch hat auch der Zahn der Zeit an ihm genagt, seinen urtümlichen Schrecken hat er dennoch behalten. Ein popkultureller Mythos: Unter den besten Thrillern aller Zei- ten landet der Streifen regelmäßig in den Top Three. Er gilt als Blaupause für modernes Blockbuster-Kino und hirn- lose Ableger im Tierhorrorgenre, be- gründete die Hollywood-Karrieren von Spielberg und Komponist John Wil- liams ebenso wie den überdimensional schlechten Ruf des Hais. Dabei wäre fast nichts draus geworden: Die Ent- scheidung auf offenem Meer zu drehen, war desaströs. „Bruce“, das Modell des Hais (nach Spielbergs Anwalt benannt), hatte außerdem massive mechanische Probleme, funktionierte selten, soff so- gar ab. Da das Budget und die Drehzeit um ein Vielfaches überschritten wur- den, rechneten die Macher jeden Tag mit dem Aus. Der Filmprozess geriet zur Feuertaufe – und entfaltete gerade daraus seine Dynamik und Stärke. Die RomanvorlagePeterBenchleysliestsich geradlinig wie ein Western: Bösewicht kommt in die Kleinstadt, tötet, der She- riff und ein paar Verwegene nehmen die Jagd auf und bringen ihn zur Stre- cke. Die Helden: ein wasserscheuer wie deplatzierter Sheriff, ein intellektueller Meeresbiologe, ein Kriegsveteran und verbiesterter Seebär. Der Bösewicht: ein ungewöhnlich großer weißer Hai (und ein Bürgermeister, der über Lei- chen geht). Was Regie und Schauspie- ler, Schnitt und Musik daraus machen, ist einfach brillant. Der Plot wird in bitterböse Gesellschaftskritik, Kopfkino und pure Action aufgeteilt. Der Hai selbst ist die erste Hälfte lang gar nicht zu sehen, was die Wirkung nur vergrö- ßert und der Charakterzeichnung mehr Raum gibt. Als er auftaucht, werden die Figuren umso vielschichtiger. Im Was- ser wird mit subjektiven Perspektiven gearbeitet, die alternierende Stakkato- Melodie aus zwei Tönen treibt das sug- gestive Spiel auf die Spitze. Hitchcock, Moby Dick, Vietnam-Trauma standen Pate für den letztlich zeitlos paranoiden Reigen, der weit mehr ist als ein kalku- lierter Schocker für die Popcorn-Masse. Leider war die Fiktion auch fraglos schlechte Werbung für das reale Tier und trug zur gnadenlosen Dezimie- rung bei. Die Forschung hat inzwischen viele Ängste widerlegt. Heute geht es zu Recht um Artenschutz. Gleichwohl die Frage, warum Haie Menschen angrei- fen, bis heute nicht vollständig geklärt ist. Das Restrisiko schwimmt mit. Unter der Oberfläche. Ohne jede Logik. Daaa- dam… Na, Mahlzeit. Foto:Kletr–shutterstock.com Daaadam...Dadam-Dadam... Tatatatatatatatatatatatatata...

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