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WNA Juni 2015 - Erste Seite

Wirtschaft Neckar-Alb | Juni 2015 Erste Seite 3 1 2 WNA: Herr Janes, Sie sind langjähriger Experte für deutsch-amerikani- sche Beziehungen. Derzeit halten Sie dazu Vorträge mit dem Titel „Brau- chen wir uns noch?“ Und, wie stehtʼs momentan? Janes: Nun, wir haben uns die letzten 70 Jahre gegenseitig gebraucht. Seit 1990 haben sich die Bedingungen für diese Abhängigkeiten geändert. Heute befinden wir uns in einer Welt mit multiplen Modernitätsversionen unter aufsteigenden Mächten. Deutschland hat sich zu einem Anführer der EU herauskristallisiert. Für die USA und die Bundesrepublik ist eine andauernde Partnerschaft von äu- ßerster Wichtigkeit, wenn beide weiterhin globalen Einfluss ausüben möchten. Deshalb meine ich: Germany is a leader in partnership. WNA: Es knirscht auch an vielen Ecken, NSA beispielsweise oder TTIP. Politisch indes hatte das bislang wenig Folgen. Offenbar hält die Bezie- hung einiges aus? Janes: Man kann gerne über den Inhalt der so genannten TTIP-Verhandlungen streiten, aber Tatsache ist, dass wir eine ganze Menge in unsere jeweiligen Länder investieren und auch ein handfestes Interesse an der Stabilität von wirtschaftlichen Möglichkeiten haben – auf beiden Seiten des Atlantiks und auf globaler Ebene. Die politischen Bande zwischen den USA und Deutschland sind stark und haben eine lange Geschichte. Einzelne Instanzen wie die Diskussion um TTIP oder die NSA können das nicht so schnell verändern. WNA: Den aktuellen Fall um den BND kann man auch so lesen: Deutsch- land ist den USA verpflichtet, nicht umgekehrt. Sieht so eine Beziehung auf Augenhöhe aus? Janes:EinigeLagerinderamerikanischenPolitik,derBildungseliteunddemMilitär glauben das vielleicht. Aber viele Politiker und besonders Unternehmer in den USA sind sich der Wichtigkeit Deutschlands durchaus bewusst und sehen Deutschland als Partner, nicht als Vasall. Sicher, die Weltanschauungen sind sehr verschieden: Die USA verfolgen einen realpolitischen Weg, in dem die amerikanische Sicher- heit wichtiger ist als alles andere – inklusive der Privatsphäre ihrer eigenen Bürger. Während Deutschlands Erfahrungen mit Bespitzelung und Kontrolle verständli- cherweise eine starke Reaktion auf solche Maßnahmen auslösen. Dabei gibt es auch in den USA derzeit eine dynamische Diskussion über „Surveillance“. Ich denke, wir können nach wie vor viel voneinander lernen und vielleicht auch gemeinsam die richtige Balance zwischen Überwachung, Rechenschaft und Reform finden. Dr. Jackson Janes ist Präsident des American Institute for Contempora- ry German Studies in Washington. Er hat unter anderem in Tübingen studiert und war dort auch Direktor des Deutsch-Amerikanischen Instituts (d.a.i.). Janes lehrt und publiziert bis heute umfassend über deutsch-amerikanische Bezie- hungen und das transatlantische Bündnis. Foto: PR 3Fragen zu ...??? Deutsch-amerikanische Beziehungen

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