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WNA Juni 2015

„Experten sind sich einig“, sagt Pro- fessor Dr. Bernd Thomas von der Hochschule Reutlingen, „Die Zukunft der Energieversorgung ist dezentral.“ Doch was bedeutet das? Einfach er- klärt, werden viele kleinere Kraftwerke wie Photovoltaikanlagen, Blockheiz- kraftwerke oder Windräder zu einem Verbund zusammengeschlossen und ersetzen so ein großes Kraftwerk. Das wiederum hat aber große Auswirkun- gen auf dem Markt. Wenn man die Stromversorgung bislang als Einbahn- straße bezeichnen konnte, wird die nun ein komplexes Fahrsystem. Ver- braucher wie Privatleute und Unter- nehmen können selbst zum Erzeuger werden, bleiben aber dennoch Ver- braucher. Und die Stromanbieter wer- den Dienstleister. „Im Grunde geht es um die intelligente Verknüpfung von unterschiedlichen Energieproduzen- ten, Verbrauchern und Speichersyste- men“, so der Professor. Daran arbeiten knapp 20 Partner aus der Unternehmerschaft, den Stadtwer- ken und den Hochschulen der Regi- on im Netzwerk Virtuelles Kraftwerk Neckar-Alb. Angesiedelt ist es an der Reutlinger Hochschule, wo vor mitt- lerweile gut 1½ Jahren die Koopera- tionsplattform gegründet worden ist. „Wir sind jetzt in der zweiten Phase des vom Bundeswirtschaftsministe- rium geförderten Projekts“, berichtet Thomas, „staatliche Hilfen sind zwar enorm wichtig, Innovation kostet Geld. Mittelfristig wollen wir aber marktreife Geschäftsmodelle auf den Weg bringen.“ Dafür sieht er das Netz- werk als ideale Plattform. „Die Teil- nehmer als auch wir sind sehr darauf bedacht, dass aus Ideen auch konkrete Projekte werden. Die Besprechungen sind sehr zielgerichtet.“ Trotzdem sei Zeit, um gemeinsam Ideen zu spinnen und Visionen zu entwickeln. „Wir ha- ben das große Glück, dass die Diskus- sionen sehr offen geführt werden.“ Am neu gegründeten Energiezentrum wird am Thema dezentrale Energie- versorgung gearbeitet, zudem läuft seit dem vergangenen Sommersemester ein neuer Masterstudiengang „Dezen- trale Energiesysteme und Energieeffi- zienz.“ Die Hochschule will Vorreiter sein auf diesem Gebiet, wovon die re- gionalen Unternehmen nur profitieren können. „Die Firmen fragen schon an, wann die ersten Absolventen des neu- en Masterprogramms fertig sein wer- den“, so Thomas. Das nächste Ziel ist klar: Gemeinsam mit den Netzwerk- partnern soll eine Demonstrationsan- lage auf dem Campus entstehen. Von Stromerzeugungsanlagen, Speicher- systemen und Steuerboxen sollen alle Elemente eines virtuellen Kraftwerks vor Ort eingerichtet werden, um be- greifbar zu machen, wie ein solches Kraftwerk arbeitet. „Wenn das steht“, so ist sich der Wissenschaftler sicher, „werden uns die Leute ’salopp gesagt’ die Bude einrennen.“ Denn, die Tech- nik sei bereits vorhanden, allein der Weg zu einer Verallgemeinerung fehle. Auf Messen und Veranstaltungen sowie mit dem Internetauftritt stellt sich das Netzwerk mit seiner Arbeit derzeit vor. „Hier können auch gera- de kleinere Mitgliedsunternehmen Aufmerksamkeit bei Kunden und po- tenziellen Geschäftspartnern erzielen und die Plattform für sich nutzen“, rät Thomas, „wir sind dran, das Netzwerk bekannter zu machen. Manchen Un- ternehmen ist vielleicht nicht bewusst, dass ihre Kompetenz relevant für das Thema ist. Es liegt noch viel Potenzial brach.“ Energiewende? Da war doch was. Der Umbau der Energieversor- gung ist ob der vielen Krisen in der Welt aus dem Blickfeld ge- raten. Und dennoch tut sich hinter den Kulissen einiges, wie das Kooperatiosnetzwerk Virtuelles Kraftwerk Neckar-Alb beweist. Dezentrale Energieversorgung Das Ende der Einbahnstraße

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