Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

WNA Juni 2015

Wirtschaft Neckar-Alb | März 2012 23Titelthema | nicht gesundheitsschädlich. Das Aerosol-Gemisch aus dem eigenen La- bor kommt zudem extrem nah an die Wirkungsstelle, das heißt, das Werk- stück ist nach dem Zerspanen und Tiefbohren nahezu trocken und der Streuverlust gleich Null. Der Nachteil: Der Produktionsprozess, das Maschi- nenbild müssen darauf angepasst wer- den. „Sein running system zu verän- dern, fällt einigen eben schwer“, meint Hoffmann. Neuland erforschen Es ist ein forschungsintensives Ge- schäft. Von insgesamt 20 Mitarbeitern arbeiten fünf in der Entwicklung. Zu den Partnern, mit denen man regen Austausch pflegt, gehören unter an- derem das KMI Karlsruhe oder die Uni Stuttgart und Uni Ulm. Ihren Ursprung nahm die Innovation nicht zuletzt auch in sol- chen Forschungsprojekten. Ein Dok- torand hatte sie 2008 angestoßen. Der ist heute Führungskraft eines namhaf- ten Autoherstellers, erzählt Hoffmann. Die Verbindung ist nach wie vor in- takt. In der Autoindustrie nehme die Nachfrage auch zu. „Jetzt müssen die Maschinenhersteller und Zulieferer nachziehen“. Und wenn nicht? „Ma- chen wir weiter. Wir vermarkten unser Wissen. Nicht blindlings, aber ehrlich und konstant.“ Auch Hans Herbert Stelzl weiß, dass sich der Nutzwert von Wissenstrans- fers, von Kooperationen mit der Wis- senschaft, eher schwer errechnen lässt – aber in der Regel viel Gutes hängen- bleibt. „Klar, hätten wir viele Innova- tionen auch allein entwickelt, aber die Kooperationen haben den Weg dahin erleichtert. Ganz zu schweigen von den entstehenden Kontakten, der Reputation und Rückkopplungen in Gebiete, die man vorher nicht erwartet hatte“. Stelzl ist CEO des Kunststoff- und Werkzeugproduzenten Kurz aus Haigerloch. Den Sektor Werkzeuge hat man in den letzten Jahren redu- ziert und dafür die Entwicklung neuer Kunststofftechniken vorangetrieben. Durch Wissenstransfer kam zusam- men, was bisher nicht zusammenge- hörte. Wie Kunststoffverschlüsse für Kegs, industrielle Braufässer. Die wa- ren bisher aus Metall, die Fässer Mehr- weg. Kurz entwi- ckelte schließlich eine komplette Einwegvariante aus Kunststoff. „Es war ein mühsames Tüfteln. Aber der Bedarf an Einweg ist international sehr hoch“. Derzeit versucht man, angeregt durch Forschungsprojekte, in die Me- dizintechnik einzusteigen. Mehr Arbeit, weniger Routine Stelzl kennt es freilich auch anders. Märkte, die sich wieder verändern, Patente, die in der Schublade landen, oder große Lösungen, die sich trotz einiger Mühe nicht einstellen wollen. Das muss man sich auch leisten kön- nen. Große Konzerne wie Daimler investieren jährlich Milliarden in ihre „Um 8 Uhr, am Schreib- tisch, werden keine Prob- leme gelöst.“ Wissensab- teilungen. Ein echter Wissensberg. Woran es liegt, wenn die Innovation läuft oder nicht, ist nicht immer klar. Deshalb, so Stelzl, würden viele Betriebe auch nach ein, zwei enttäuschenden Projek- ten das Handtuch werfen. Ein Fehler. Mit spitzem Bleistift gerechnet, zahle man drauf. Aber nach Vorschrift for- schen und entwickeln, funktionie- re sowieso nicht. „Um 8 Uhr, in der Schreibtischroutine, werden keine in- novativen Denkprozesse gelöst“. Stelzl kommen die Ideen in der Freizeit, nachts um 3 Uhr, wenn ihn ein Ge- danke nicht loslässt. Dasselbe fordert er auch von Partnern ein. In der wis- senschaftlichen Zusammenarbeit ist er damit immer gut gefahren. Von feh- lender Augenhöhe oder Vorurteilen zwischen Theoretikern und Praktikern keine Spur. „Da prallen keine Welten aufeinander.“ Innovationen hingegen entstünden dort, wo Grenzen verlau- fen. Und das bedeutet immer: mehr Arbeit.

Übersicht